30 Juli 2012

Elektrowochen bei moto1203: KTM Freeride E - Raus aus der Steckdose, rein ins Gelände

Die etablierten Hersteller tun sich mit Elektro-Motorrädern schwer. Auch KTM hat fünf Jahre lang getüftelt - doch jetzt rollen die ersten Freeride E-Crosser ins Gelände. Das Resultat der Fahrprüfung durch moto1203: Das Warten hat sich gelohnt.

Hannes Proschek hat bis 2009 für das Toyota Formel 1-Team gearbeitet. Sein Management-Job dort war es, noch mehr Leistung aus Menschen und Motoren rauszukitzeln: „Das war nicht immer einfach.“ Jetzt sitzt er in seinem Büro bei KTM in Mattighofen, kann auf eine grüne Wiese sehen, und soll als Projektleiter eines der größten Wagnisse des österreichischen Motorradherstellers zu einem guten Ende führen: die Markteinführung des Freeride E-Crossers. Proschek, der 2010 in Mattighofen angeheuerte, ahnte damals schon: „Auch das wird nicht ganz einfach.“

Bildschirmfoto_2012-07-30_um_1

Als KTM im Sommer des Jahres 2007 eine Geländemaschine mit Elektro-Antrieb ankündigte, hielten die meisten Betrachter den Prototypen für eine witzige Fingerübung der Rennsport-Ingenieure, die in Mattighofen eine riesigen, majestätischen Entwicklungstrakt bevölkern. 

Doch Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender von KTM, nahm die Sache von Anfang an ernst. Er sieht ein zukünftiges Firmenstandbein in der lautlosen E-Fahrzeugen; die jetzt vorgestellte Sportvariante und später Wander- und Straßenversionen sollen neue Käufer ansprechen: „Wenn die Anwendung des Sportgerätes lautlos näher an die Städte rückt, steigt die Akzeptanz,“ sagt Visionär Pierer. Er will folgerichtig Citynahe E-Parks entstehen sehen und E-Crossen zur einer neuen Trendsportart wie Mountainbiking machen. 

Globalisierung des Elektrobaukastens

Der erste E-Park liegt zur Zeit noch hinter dem KTM-Betriebsgelände in Mattighofen. Dort steht nach fünf Jahren Entwicklung auch die erste Freeride E, die man fahren darf. Die Strom-KTM könnte auch als 80er oder 125er Cross-Maschine durchgehen; die Farbgebung und die Komponenten wie Leichtbaurahmen, WP-Gabel und Federbein sowie Bremsen und Fahrwerk sind typisch „ready to race“ und Mattighofen-like hochwertig. Gegen diesen kleinen Qualitäts-Renner wirken die Konkurrenten wie die Zero oder Quanta eher hausbacken und handgestrickt. Auch das Gewicht von 95 Kilogramm und die Leistung passen: umgerechnet bis zu 30 PS und ein maximales Drehmoment von 42 Nm schon vom Start weg, das kann sich in der 125er-Klasse sehen lassen.

Die Power kommt nun allerdings nicht mehr aus dem traditionellen Verbrenner mit Vergaser, sondern aus einem staub- und wasserdichten gekapselten, bürstenlosen Synchronmotor. Das Aggregat wird von einem 2,1 kWh-Batteriesatz mit Lithium-Ionen-Zellen und 300 Volt Betriebsspannung angetrieben. Das ändert Fahrzeugcharakter und -optik komplett: Schaltgetriebe, Kupplung, Tank, Krümmer und Auspuff entfallen ersatzlos. Benzinfüllaktionen im Gelände, das Säubern von verdreckten Luftfiltern, scheppernde Klemmen an verölten Endtöpfen und bläuliche Rauchfahnen – die typischen Offroad-Dramen kann man ab sofort vergessen.

KTM hat für die Entwicklung der Freeride E – und das mag mit eine Grund für die langen fünf Jahre seit Projektbeginn sein – viele Experten an Bord geholt. „Ein E-Bike sieht auf den erste Blick zwar vergleichsweise simpel aus, aber in jeder Komponente steckt langjährige Erfahrung,  die nicht unbedingt vor der Haustür zu finden ist,“ erklärt Hannes Proschek.

Die KTM E ist folgerichtig ein globales Fahrzeug: Dutzende japanische Batteriezellen mit jeweils 3,6 Volt von Panasonic werden von einer Firma in Warschau im Akku-Block verbaut. Die elektronische Steuereinheit hat die Salzburger Niederlassung einer britischen Firma maßgeblich mitentwickelt. Der „Perm“-Motor wird von Heizmann im Schwarzwald geliefert und in ein KTM-Gehäuse gesteckt. „Ohne diese Lieferanten hätte KTM so ein Fahrzeug nie aus dem Werkstor gebracht. Andererseits wäre niemand außer KTM in der Lage gewesen, so ein Fahrzeug zu bauen“, sagt Proschek. „Wir haben das Geländesport-Knowhow.“

Idiotensichere Geländefreuden

Im Gelände geht die Freeride wie Schmidts Katze. Ein Klick am Einschalter, dann „bootet“ sich das Fahrzeug hoch. Ein beherzter Griff am Ride-by-Wire-„Gas“ und schon auf der schwächsten Stufe der drei Powermodi wühlt sich das Hinterrad in den Schotter. Wheelies aus dem Stand sind kein Problem; der Freeride E mangelt es also nicht an Kraft. Die soll sie, so Proschek, bei einem Amateurfahrer über 45 Minuten bringen; Profi saugen den Batterie-Pack auch schon mal in 30 Minuten leer. Langsame Wanderfahrten sollen bis zu einer Stunde möglich sein. Geladen ist der Akku nach 90 Minuten; der Wechsel des massiven Hochvolt-Blocks, der gegen Stürze und Kurzschlüsse gut geschützt ist, dauert nicht länger als drei bis vier Minuten.

Der Fahrspaß mit einem E-Antrieb ist jedenfalls garantiert, besonders für Offroad-Novizen, weil erheblich weniger Koordination als bei einem Benzingetriebenen Crosser erforderlich ist. Beispiel: ein Drift durch enge Kurven. Bei der Freeride E kann man auf wohldosiertes, gleichzeitiges Bremsen, Schalten, Kupplungsschleifen und Gasgeben verzichten. Hier reicht der beherzte Griff in die Bremsen und volle Kraft voraus im Scheitelpunkt. Und hui! Ein E-Bike gibt sein Drehmoment schon bei 500 Umdrehungen voll ab – und ist auf Teufel komm raus nicht abzuwürgen. Dieser Motor säuft nie ab und geht nie aus. 

0bildschirmfoto_2012-07-30_um_1

Weil deshalb auch niemand bei Antreten verzweifelt, sind neben den stadtnahen Trendsportlern auch schon andere Zielgruppen wie Jäger, Waldarbeiter und alpine Kurgemeinden mit Mountainbike-Strecken im Visier. Seit Juli werden die ersten Hundert von insgesamt 500 Vorserie-Maschinen ausgeliefert - doch bisher nur an KTM-Mitarbeiter, handverlesene Offroad-Experten und wenige Privatfahrer, die sich über eine spezielle Website bewerben können.

Sie sollen das E-Mobil unter Alltagsbedingungen testen: Wie macht sich der Motor bei einer ordentlichen Schlammpackung im Gelände und regelmäßiger Malträtierung durch einen Kärcher? Hält die Batterie auch im Winter durch? Welche Kosten entstehen für eine zweite, geleaste Wechselbatterie?

Diese Fragen, das nimmt KTM nicht zu Unrecht an, müssen spätestens im Frühjahr 2013 positiv beantwortet sein. Dann sollte die Freeride E für einen Preis knapp unter 10.000 Euro in den Verkauf gehen.

Hier alle Fotos bei SPON:

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

Testfahrt E-Scooter BMW C evolution: Leise Zukunftsahnung

Vorfelder_j_058

London während der Stau-Spiele – selbst für Roller gibt es da schwerlich ein Durchkommen. BMW hat den Elektro-Prototypen „C evolution“, der die Megacities wieder flott machen soll, deshalb auf dem platten Land in Kent vorgestellt. moto1203 ist damit gefahren.

Vom zentralen London, der Tower Bridge  etwa, sind es nur 20 Meilen bis nach Biggin Hill in der Grafschaft Kent. Doch an einem normalen Werktag braucht der britische Automobilist dafür gerne über zwei Stunden und ist auch draußen im „Garten Englands“ nicht vor einem sauberen Stau gefeit.

Das ist genau einer der Gründe, warum sich BMW bitter entschlossen Gedanken über die Zukunft der Urbanen Mobilität macht: Wenn gar nichts mehr geht, wer soll dann noch welche Art von Fahrzeugen kaufen? Sind vier Räder nicht etwas viel der bewegten Masse pro Kopf?

Eine Antwort von BMW heißt C evolution und ist der Prototyp eines umweltfreundlichen Elektrorollers. Er soll bei der avisierten Markteinführung 2014 mit dem Komfort und den Fahrleistungen eines konventionellen Maxi-Scooters (bevorzugt natürlich den BMW-Schwestermodellen C 600 und C 650 GT) mithalten, aber null Emissionen haben – vorausgesetzt natürlich, man kauft seinen Strom bei einem Öko-Anbieter.

Jetzt stehen der C evolution in fünffacher, handgefertigter Ausführung draußen in Biggin Hill, wo die Straßen heute einigermaßen frei sind, und sieht schon mal sehr einladend aus: schnittig, freundlich weiß und neongrün – und fahrbereit.

 Ohne Ende Elektrokraft

„Vorsicht,“ sagt Dr. Christian Ebner, „der evolution hat richtig Wums schon aus dem Stand und macht richtig Speed.“ Das beeindruckt, denn Ebner, technischer Projektentwickler beim BMW-E-Scooter, sollte sich aus seiner Zeit beim Formel-1-Team des Konzerns mit Speed eigentlich auskennen.

Doch erst mal passiert gar nichts – zumindest bei der Geräuschkulisse: ohne Verbrenner kein Sound, kein Pötter-Pött; selbst auf eine rasselnde Kette haben die BMW-Entwickler verzichtet. Angetrieben wird das Testfahrzeug von einem ruhigen Riemen; es rollt auf Feelgreen-Reifen von Metzeler, die auf niedrigsten Rollwiderstand und Energieverbrauch getrimmt wurden. Die ersten Meter mit dem C evolution sind quasi im akustischen Tarnkappen-Modus und vollkommen irritierend.

12_bmw_c_evolution_chassis

Auch der Dreh am „Gas“-Griff trägt zur Verwirrung bei, vor allem bei Fahrern, die vom Motorrad kommen. Der klassische Lehrsatz „Kupplung, Schaltung mal Gas gleich Klang und Spaß“  rechnet sich beim getriebe- und kupplungsfreien Roller ohnehin nicht – jetzt, beim E-Scooter, spielt auch Drehzahl keine Rolle mehr. Der Elektromotor gibt seinen vollen Vortrieb schon aus dem Stand ab – und die Beschleunigung ist gewaltig. Beim Ampelstart läßt der Strom-Prototyp den C 600-Roller locker hinter sich.

09_bmw_c_evolution_riding_v

Verantwortlich dafür ist der luftgekühlte Batterieblock mit etwa 150 Volt angelegter Betriebsspannung. Der Akku aus drei Modulen, die mit Lithium-Ionen-Zellen bestückt sind, hat eine Kapazität von 8 Kilowattstunden – genug eben, um 265 Kilogramm Gewicht aus dem Stand nach vorn zu katapultieren. Dafür hat der E-Roller nur eine maximale Fahrdistanz von 100 Kilometern bis zur nächsten Ladung und eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

„Sicher könnten wir noch eine etwas höhere Geschwindigkeit rauskitzeln, aber das war nicht unsere Priorität“, sagt Christian Ebner. „Wir haben bewusst gesagt, das soll ein großes Commuter-Fahrzeug für die Berufspendler rein und raus aus der Stadt und kurze Ausflüge werden. Wir wollten nicht dem Reiseroller Konkurrenz machen.“

Großkonzept-Fahrzeuge

Der neue Chef von BMW Motorrad, Stephan Schaller, der seit zwei Monaten im Amt ist, erklärt das ähnlich: „Was wir heute aus der Motorrad-Sparte vorstellen, spiegelt die Strategie der BMW Gruppe wieder – wir gehen verstärkt in den zusätzlichen Bereich E-Antriebe, sowohl im Zweirad- als auch im Vierradbereich.“

Von diesem mit Pomp avisierten Vierrad-Baukastensystem profitiert der E-Roller  immens. Aus dem angekündigten Elektrokleinwagen i3 stammen die Akkublöcke des C evolution, die im Gehäuse das zentrale, tragende Element des Rollers sind; mit dem Block  sind der Vorbau mit der Gabel und hinten die Schwinge mit einem Federbein verschraubt. Der flüssigkeitsgekühlte Motor ist als Teil der so genannten „Triebsatzschwinge“ zwischen die Schwingendrehpunkte platziert wird. 

Subventionierter Fahrplan

Dass der Markt noch bis 2014 auf den BMW E-Roller warten soll, leuchtet nach den ersten Fahrkilometern nicht ein. Der weiß-grüne Stromling schlängelt sich extrem artig über die verwinkelten englischen Landstrassen und ist kinderleicht zu dirigieren; Fahrwerk und Bremsen sind dem ersten Eindruck nach in einem fast serienfertigen Zustand.

Auch in Sachen Steuerungselektronik sind Ebner und sein Entwicklerteam offensichtlich schon sehr, sehr weit. Wenn der Roller im Schubbetrieb läuft oder abgebremst wird, können bis zu 20 Prozent der kinetischen Energie zurück gewonnen und gespeichert werden. Auch von den großen Schwachpunkten anderen E-Bikes - der ruckeligen Kraftabgabe bei langsamer Fahrt und der teigigen Reaktion bei voller Kraft voraus - ist beim C evolution fast  nichts mehr zu spüren. Hey, ich würde den Prototyp so nehmen, wie er hier steht und geht. 

„Ja, da müssen sie sich leider gedulden,“ bedeutet mir Stephan Schaller, und erklärt die Gründe. Dahinter steckt das Konzern-Konzept „Neue Städtische Mobilität“, dessen neuer Fuhrpark BMW ab Ende 2013 mit dem Elektrokleinwagen i3 und wenig später mit dem Sportwagen i8 bestücken will. 2014 wird der E-Scooter dazwischen gequetscht: „Abgesehen davon, jeder Hersteller braucht etwa achtzehn Monate Vorlaufzeit für Einkauf und Fertigung, bevor ein Prototyp in Stückzahl vom Band läuft,“ sagt Stephan Schaller.

120_728jw1986

Vielleicht kommt die Wartezeit ja auch dem Käufer zugute. Mit jedem Quartal und steigender, verbauter Stückzahl sinken die Preise für den großen Kostenfaktor Batterie – doch Interessenten sollten sich schon einmal auf den schwierigen Firmenspagat zwischen Deckung der Entwicklungskosten und Bezahlbarkeit für den Endkunden einrichten.

BMW weiß sehr wohl, dass sich der C evolution beim Start nicht rechnen wird. Doch verschenken will man in München auch nichts: Der vergleichbare C 650 GT aus dem gleichen Hause kostet unterm Strich über 12.000 Euro – ohne den zu erwartenden Avantgarde-Gutmensch-Zuschlag für die elektrifizierte Zukunft.

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

23 Juni 2012

SR 500 Umbau - First Images

Während hier die Kohorten der Harley mit ihren Eisenschweinen durch Hamburg ziehen, bewege ich doch lieber die gute alte, neue SR.

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

21 Juni 2012

PR, Yamaha & der Red Dot Award 2012: Wie ich einen alten Roller zum Gewinner schreibe

Gelegentlich lesen wird doch mal Presseerklärungen quer, wie kürzlich die von Yamaha Deutschland:

"Der Yamaha T-Max-Roller wird 2012 mit dem international anerkannten Qualitätssiegel für Produktdesign Red Dot ausgezeichnet. An diesem Designwettbewerb nahmen 4.515 Produkte teil. (...)

Eine 30-köpfige Jury aus international anerkannten Designexperten zeichnete den T-Max in der stark umkämpften Kategorie für Automobile, Transport, Nutz- und Wasserfahrzeuge aus. (...)

Den Abschluss des Awards bildet die „Red-Dot“-Gala, bei der vor internationalem Publikum in Berlin am 24. Oktober die Preisverleihung stattfindet. (...)"

Hört sich gut an. Ein Roller, der schon seit Jahren quasi unverändert ist, gewinnt einen honorablen Preis. Chapeau, Yamaha.

Bildschirmfoto_2012-06-21_um_1

Wenn man allerdings mal genauer hinschaut, wird einem schnell klar: So richtig falsch ist das alles nicht, aber auch nicht so wirklich wahr. Yamaha hat in der Not - neue Modelle gibt es ja nicht - eine knallige Blendgranate geworfen.

Die Fakten:

- Es gibt insgesamt 19 Produktkategorien mit so exotischen Dingen wie Badezimmerarmaturen, Kopfhörern, Zahnputzbechern beim Red Dot Award und eben Gruppe 16 "Automobile, Transport, Nutz- und Wasserfahrzeuge"; übergreifend wurden also 4.515 Produkte eingereicht.

- Von allen Einsendungen werden pro Jahr rund 20 Prozent prämiert - d.h. jedes fünfte Fahrzeug hat 2012 entweder einen "Red Dot" gewonnen oder eine lobende Erwähnung erhalten.

- 2012 erhielten insgesamt 65 Fahrzeuge und -teile den Red Dot oder bekamen die "Honorable Mention" - wie z.B. ein Traktor von Fendt, ein Doppeldeckerreisebus von MAN, ein Schiff oder ein Kindersitz.

- Von diesen 65 Ausgezeichneten 2012 erhielten allerdings sieben (!) den wirklich wichtigen Red Dot BOB - den Titel "Best Of The Best".

- die BOBs 2012: der Renault Twizy, ein knickgelenkter Dumper von Volvo, der Porsche Carrera 911, das Smart eBike, ein Schalensitz von Recaro und der Trophy20, ein elektrischer Rollator von Handicare.

- Das einzige Motorrad mit BOB 2012: Die Husqvarna Nuda 900 R.

Der Yamaha T-Max erhielt keinen BOB. Sondern nur einen der Red Dots, quasi aus der Grabbelkiste.

Yamaha PR fabuliert dazu:

"T-Max Design-Manager Kenji Otombe kommentiert die Preisverleihung: 'Wir sind unglaublich stolz auf die Auszeichnung, denn sie würdigt das Konzept ebenso wie das Design und die Funktion des Rollers.'"

Dann feiert mal schön, Yamaha. Und nicht vergessen: Euer Preis wird Euch bereits am 2. Juli in Essen verliehen.

Für alte Roller gibts keine "Red Dot"-Gala in Berlin. Die Oktober-Gala ist die Preisverleihung für den parallelen Award "Red Dot Kommunikations Design".

Und bei der Qualitäts-Kommunikation - da seid ihr nicht wirklich dabei.

10 Juni 2012

Offroad-Tour 2013 - Durch den Norden von Laos

27. Januar 2013 – 07. Februar 2013

Im Januar 2013 fahren wir, Tina „Dakar“ Meier und Jochen Vorfelder von moto1203dotcom, für knapp zwei Wochen nach Laos – das Land im Herzen Indochinas ist ein bisher unentdecktes Motorrad- und Offroad-Paradies.

Die Route führt über kaum genutzte Asphaltstrecken, abgelegene Tracks und leichte Enduro-Strecken durch faszinierende Wälder, schroffe Gebirge und die Heimat der vielen laotischen Hill Tribes.

Zusammen mit unserem Partner von Green Discovery in Vientiane, die auch den lokalen Biker Thongkhoon als Guide und Übersetzer stellen, haben wir eine Route ausgearbeitet, die auch für Teilnehmer ohne viel Offroad-Erfahrung zu bewältigen ist.

Hier ein Überblick über die Tour:



Offroad-Tour 2013 - Durch den Norden von Laos
auf einer größeren Karte anzeigen


Wir haben den Schwerpunkt der Rundtour auf den Kontakt mit Laoten und das Erleben des Landes mit seinen unzähligen historischen Sites und einem atemberaubenden kulturellen Erbe gelegt.

Fotostopps und Besuche in abgelegenen Bergdörfern sind uns in Laos wichtiger als Offroad-Kilometer. Gleichzeitig sind die Tagesetappen so getaktet, dass genügend Zeit für Offroad-Trainingseinheiten von Tina sowie ordentliche Schlammlöcher und Sprunghügel bleibt.

Wir fahren in einer Gruppe von maximal 10 Personen plus Guide mit den besten Bikes, die es für laotische Verhältnisse vor Ort gibt: den All-Terrain Honda Baja 250 und Honda XL 250 mit 28 PS – kräftig genug, wendig und vor allem unverwüstlich. Unser Gepäck wird in einem Begleitfahrzeug transportiert; auf den Tagesetappen haben wir nur leichte Ausrüstung und persönliche Dinge dabei.

Die durchschnittliche Etappe liegt bei etwa 220 Kilometer – was sich in Europa nicht nach sonderlich viel anhört, in Laos aber eine beachtliche Tagesleistung  darstellt. Viel Zeit zur Erholung haben wir in Luang Prabang; an einem anderen Tag sind wir sogar samt Motorrädern in zwei Longboats auf dem Mekong unterwegs.

Wir sind insgesamt 10 Tage mit den Bikes im Norden von Laos unterwegs, hinzu kommen jeweils die individuellen An- und Abreisetage.

Der Preis für die Tour vom 27. Januar 2013 bis 07. Februar 2013 beträgt 2.795 Euro pro Person.



Im Preis für die Tour ist inbegriffen:

Transport von und zum Flughafen
Transport im Boot von Pakbeng nach Luang Prabang

1 Motorrad 250 ccm (Honda Baja oder Honda XR 250 CC)
Benzin für die Fahrzeit
Lokale Versicherungen, Steuern, Entry-Permits

Übernachtungen im Doppelzimmer
Frühstück (und 1 Lunch an Tag 7)

Laotischer Tourguide
Mobile Coaching mit Tina Meier
Begleitfahrzeug: 4WD Ford Ranger
Fahrer des Begleitfahrzeugs

Nicht im Preis inbegriffen:

Anreise, individueller Flug D - Vientiane, Laos – D,  Flüge liegen zur Zeit bei rund 1.000 Euro.
 Individuelle Reise- und Krankenversicherung

Lunch und Dinner, Softdrinks und Alkoholika
Tips

ggf. Einzelzimmer während der Reise  Einzelbettzuschlag – 350 Euro

Persönliche Ausrüstung

Hier einige Eindrücke aus Laos. Zur besseren Steuerung und der Vollbildansicht - in die rechte, untere Ecke klicken ...




Reisebeschreibung im Detail:

27. Januar 2013 Anreisetag: Vientiane

Ankunft am Flughafen Wattay, Vientiane
Transport mit privatem Minibus zum Hotel, Tina oder Jochen holen Euch am Flughafen ab.

Bei früher Ankunft  Zeit für einen Rundgang durch Vientiane, am Abend Kennenlernen beim gemeinsamen Essen

Unterkunft: City Inn Hotel, Vientiane
Frühstück inklusive
Möglichkeit, Koffer zu hinterlassen.


28.01. Tag 1:  Vientiane – Tad Leuk – Paksan (180 Km)

Nach dem gemeinsamen Frühstück und der Fahrzeugübernahme fahren wir zunächst auf der asphaltierten Straße No. 10 nach Nordosten zum Schutzgebiet Phou Khao Khouay und durchqueren es auf ruhigen Seitenstraßen. Nach dem Besuch am  Tad Leuk-Wasserfall fahren wir weiter bis nach Paksan am Mekong und checken dort für die Nacht ein.

Übernachtung: Paksan Mai Hotel, Paksan
Frühstück inklusive


29.01. Tag 2: Paksan – Phathong – Phonsavanh (230 Km)

Auf der Fahrt von Paksan nach Norden wechseln sich geteerte Straßen mit Schotter- oder Staubpisten ab. Wir fahren durch abgelegene Gegenden mit tiefen Wäldern; wir queren die eine oder andere Furt, ehe wir in Ban Thapom Halt zum Mittagessen machen.

Kurz vor Phonsavanh stoppen wir bei der berühmten "Ebene der Tonkrüge" und fahren bei "Site 2" einen Trail auf die Bergspitze, um den Ausblick über die Stadt und Ebene zu genießen.

Übernachtung: Phouphadeng Resort, Phonsavanh
Frühstück inklusive


30.01. Tag 3: Phonsavanh – Nam Neun – Vieng Thong (168 Km)

Nach dem Frühstück früher Aufbruch zur Fahrt durch isolierte Gebirgsgegenden in Richtung Nordwesten. Mittagspause in Nam Neun, dann weiter auf der Straße No. 1 und durch das Nam Et Schutzgebiet. Ankunft in Vieng Thong am Nachmittag; Zeit für Fotos und Rundgänge im Dorf.

Übernachtung:  Souksakhone Guesthouse
Frühstück inklusive


31.01. Tag 4: Vieng Thong – Nong Kiau  – Oudomxay (271 Km) 

Die Fahrt geht zunächst weiter auf der Straße No.1 in Richtung Ban Nongkiau. Auf dem Weg machen wir in Viengkham Stopp; hier habt ihr die Gelegenheit, in dem Khmu-Dorf Fotos zu schießen.

Nach dem Mittagessen in Nongkhiau fahren wir auf der Straße No. 13 in Richtung Norden und erreichen schließlich Oudomxay, wo wir übernachten.

Übernachtung: Dan Savanh Hotel
Frühstück inklusive


01.02. Tag 5: Oudomxay – Luang Namtha – Houay Xai (305 Km)

Heute früher Aufbruch und eine asphaltierte Straße, die uns nach Houay Xai an der Grenze zwischen Thailand und Laos im Goldenen Dreieck führt.

Wir checken zunächst im Hotel in Houay Xai ein und fahren dann am Nachmittag einen kleinen Abstecher ins Goldene Dreieck.

Übernachtung: Thaveesin Guesthouse
Frühstück inklusive


02.02. Tag 6: Houay Xai – Pak Tha – Pakbeng (150 Km)

Der Weg nach Südosten führt heute durch abgelegene Dörfer zunächst nach Pak Tha am Mekong und weiter nach Thaoudom, wo wir Mittag machen.

Die zweite Hälfte der Tagesstrecke nach Pakbeng führt durch die Berge - es erwarten uns enge Kurven, Staub, aber auch gut hergerichtete Strecken, bevor wir am späten Nachmittag bei Pakbeng wieder auf den Mekong stoßen.

Übernachtung: Pakbeng Lodge
Frühstück inklusive


03.02. Tag 7: Pakbeng – Pak Ou – Luang Prabang (An Bord)

Nach dem Frühstück mit Blick auf den Mekong machen wir zunächst einen Gang durchs Dorf und den Pakbeng Markt, auf dem die Stämme der Gegend ihre Waren verkaufen.

Danach ist Erholung angesagt; wir gehen mitsamt der Motorräder an Bord von zwei Longboats, die für die Reise nach Luang Prabang gechartert sind. Wir navigieren und treiben stromabwärts und machen Halt in einem Hill Tribe-Dorf, das bekannt ist für seine Lao Whiskey-Produktion... Mittagessen/Lunchpaket an Bord.

Bevor wir zum Sonnenuntergang in Luang Prabang anlanden, machen wir noch einen Stopp bei Pak Ou an der Mündung des Nam Ou und besuchen die Höhle der Tausend Buddhas.

Übernachtung: New Ancient Luang Prabang Hotel
Frühstück inklusive


04.02. Tag 8: Luang Prabang (freier Tag)

Wer möchte, kann die Umgebung von Luang Prabang auf dem Motorrad in Begleitung erkunden. Doch Sightseeing in Luang Prabang gibt viel mehr her: Die religiöse Hauptstadt von Loas mit über hundert Tempeln steht als Weltkulturerbe unter UNESCO-Schutz.

Die zentrale Halbinsel am Mekong mit dem berühmten Nachtmarkt ist historisch und unverbaut; Luang Prabang hat sich zu einem Zentrum des sanften Tourismus in Asien entwickelt, ohne seinen alten, teilweise französischen Charme zu verlieren.

Übernachtung: New Ancient Luang Prabang Hotel
Frühstück inklusive


05.02. Tag 9: Luang Prabang – Vang Vieng (268 Km)

Heute geht die Fahrt gebirgig weiter. Die Strecke von Luang Prabang in Richtung Süden nach Vang Vieng windet und schlängelt sich von einem Aussichtspunkt zum nächsten.

Nach dem Lunch in Phouphiangfa wird die gut asphaltierte Route mit Serpentinen und Spitzkehren zu einer der besten Motorradstrecken in Asien entlang dem Nam Song Fluss.

Übernachtung: Villa Vang Vieng Resort
Frühstück inklusive


06.02. Tag 10: Vang Vieng – Vientiane (195 Km)

Am letzten Tag geht es noch einmal auf die Dirtroads. Wir fahren von Vang Vieng durch kleine Dörfer und queren kleine Flüsse, auch auf die Gefahr hin, dass die Strümpfe nass werden ...

Zurück auf der Straße No.13 geht es weiter zum Nam Ngum-See und dem Mittagessen. Die letzten Kilometer bleiben wir auf der Straße No. 10; die Ankunft in Vientiane ist am späten Nachmittag geplant. Beim gemeinsamen Abendessen feiern wir den Abschluss einer gelungenen Tour durch Laos.

Übernachtung: City Inn Hotel
Frühstück inklusive

07.02.2013, Abreisetag: Vientiane

Individuelle Abreise je nach Flug, Transfer zum Flughafen.


Weitere Infos bei Interesse per Nachfrage an jochen@vorfelder.de 

30 Mai 2012

Concorso d'Eleganza 2012: Zwei Räder für ein Halleluja

Seit 1929 treffen sich die Reichen und Schönen jährlich beim Concorso d'Eleganza zum Protzen: Mein Auto, mein Auto, mein Auto! Doch seit zwei Jahren werden am Comer See auch historische Motorräder gezeigt. Deren Besitzer unterscheiden sich allerdings recht deutlich vom Auto-Zeiger.

459030_426194400735525_1399057

Sonntag ist Familientag in der Villa Erba, deshalb wird die weitläufige Parkanlage am Comer See überrannt von Anwohnern mit Kinderwagen, der Rasen platt getreten von Ausflüglern. Die Menschen sind in Trauben, zu Hunderten gekommen, weil es über Pfingsten was zu sehen gibt: Ausgestellt sind 60 wertvolle automobile Oldtimer, seltene Prototypen, einmalige Unikate.

Es ist ein faszinierende Schau, an mehreren Orten rund um die Villa D'Este in Cernobbio, denn mit den vierrädrigen Pretiosen sind meist auch deren stolze Besitzer zu begutachten. Viele Eigentümer sind älter als ihre historischen automobilen Schätze; ihre Begleiterinnen tragen bunte Hütchen und liegen gerne in Liegestühlen neben den Fahrzeugen. 

472770_425606944127604_8273293

Die Männer tauschen sich über kommende Autoshows und aktuelle Auktionspreise aus; manchmal auch über künstliche Hüftgelenke. Es ist ein Sehen und gesehen werden; nur schade, dass George nicht vorbeikommen konnte. Clooney wohnt doch um die Ecke.

Eine verschworene Gemeinschaft

Die dazugehörige Motorradausstellung Concorso e Mostra di Motociclette, 2012 zum zweiten Mal im Programm, hat ihren Platz in diesem Ambiente noch nicht endgültig gefunden. Die 36 ausgestellten Maschinen sind unter einem Sonnenschutz abseits vom Trubel aufgereiht; den Ausstellern ist das nur recht. Sie freuen sich über neugierige Besucher, doch sie sind auch gerne unter sich. Das Automobil-Spektakel ist nicht ihre Welt.

Peter Rohrer steht bei einer Condor Super-Sport TT, Baujahr 1927. Die gehört einem Freund aus der Schweiz, der sie für die Wettbewerb "Best Bike of Show" angemeldet hat. Der Freund hat sich das Bein gebrochen, also präsentiert Rohrer stellvertretend. Die Condor ist ein seltenes Exemplar: "Mit 750er Franconi-Motor!", sprudelt es aus ihm heraus.

Rohrer saugt Informationen über alte Motorräder auf, seit er neunzehn war. Für ihn ist es selbstverständlich, dass man über den Schweizer Rennfahrer Francesco Franconi und seinen speziellen Motor Bescheid weiß.

Jäger, Sammler, Schrauber

Die Männer, die beim Concorso e Mostra di Motociclette 2012 ausstellen, sind allesamt Sammler und allesamt Sachverständige. "Ich bin eher einer von den Schraubern," sagt Rohrer, der zu Hause eine eigene Werkstatt hat. "Da ziehe ich meine Befriedigung raus."

Andere sind stattdessen einsame Jäger. Rohrer sagt: "Manche Sammler sind vom Motorrad schon gelangweilt, wenn sie es in ihrem Besitz haben. Denen geht es nur um die Jagd, die Suche, den Garagenfund. Das ist deren Ding, deren Kick."

416651_425586264129672_2035252

In Cernobbio ist Peter Rohrer einer der Wenigen, die ihren Namen gedruckt sehen mögen. Die meisten Sammler sind extrem öffentlichkeitsscheu. Ein Aussteller beim Motorrad-Concorso sieht es so: "Wir kennen uns untereinander, das reicht mir. Und außerdem: Ein hoher Bekanntheitsgrad verdirbt die Einkaufspreise." Er muss es wissen; er hat inzwischen fast tausend Zweiräder und eine komplette Mannschaft, die seine Sammlung unterhält.

Weg damit, ins Museum

Ein anderer Liebhaber, beim Concorso auch mit mehreren Ausstellungsstücken vertreten, hat inzwischen so viele Maschinen, dass er die Mehrzahl als Leihgabe weggeben muss, aus Platzmangel. Jetzt hat er eine Lösung gefunden: Ab 2013 bestückt er in Norddeutschland ein neues Museum mit der kompletten deutschen Motorradgeschichte.

Der Hang zur Geschwindigkeit ist das Element, das alle Teilnehmer am Concorso verbindet. Alain Wicki ist einer der Speedfreaks. Früher ist er Skeleton-Rennschlitten in St. Moritz gefahren und hat für den Mailänder Sportwagen-Designer Zagato gearbeitet. Jetzt verdient er mit Immobilien so viel Geld, dass er sich seine eigene Ducati entwickeln und bauen lassen kann: die Hillclimber 62.

Sie ist eine der Prototypen und Designstudien, die sich beworben haben und außer Konkurrenz in der Villa Erba ausgestellt werden. "Mich fasziniert die Kombination aus historischen Anleihen mit modernster Technik, die Symbiose: altes Bugatti-Blau und aktuelle Motorentechnik als Reminiszenz an die Bergrennen der Vergangenheit." Wenn jemand eine Exemplar kaufen mag, so sagt Wicki, würde er gern ein zweites bauen lassen. Der Preis? Über so etwas Profanes redet man in diesem Segment nicht mehr.

Unikat auf eigener Achse

Mit der ausgestellten Hillclimber ist er aus der Schweiz angereist: Das bringt ihm den besonderen Respekt der Aussteller-Kollegen, denn Fahrbereitschaft - sowohl bei Mensch als auch bei Maschine - ist unter den Sammlern in der Villa Erba ein besonderes Prädikat, denn viele bringen ihre Motorräder auf dem Hänger zu dem Treffen und gelten dann als "Trailer Queens".

Entschuldigt sind nur besondere Exponate etwa die Opel Motoclub T von 1928. Die Maschine hat einen Plattfuß vorne und ist kaum restauriert - was ihrer seltenen Cadmium-Beschichtung und der Patina geschuldet ist, die sich über die Jahrzehnte darauf entwickelt hat.

Entworfen hat die Opel übrigens der Künstler und "Simplicissimus"-Zeichner Ernst Neumann-Neander: Solche abseitigen Details beflügeln die Phantasie der Sammler und treiben Kaufpreise nach oben, ebenso wie gewonnene Medaillen.

Jagd auf das Siegerexemplar

Den Sieger des Wettbewerbs 2012 stellt die vierköpfige Jury am Sonntag Nachmittag vor: Es ist eine Gilera 500 Rondine, Baujahr 1939, eine Rennmaschine mit liegendem Vierzylinder, ein seltenes Exemplar. Dorino Serafini hat damit 1939 gegen Schorsch Meier und seine Kompressor-BMW die Europameisterschaft geholt. Jetzt steht die Gilera im offiziellen Piaggio-Firmenmuseum in Pontedera - und ist damit nur noch bedingt erwerbbar.

Doch die echten Suchtcharaktere unter den Sammlern stört das nicht: "Ich kenne außer mir noch mindestens vier, fünf andere, die sich gerade überlegen, wie sie an die Rondine rankommen", lacht einer der Zuschauer. Auch er will nicht genannt werden, auch er ist ein stiller Genießer.

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

23 Mai 2012

Honda Crosstourer DCT - Verloren im falschen Segment

Man könnte die Crosstourer als die  übergewichtige Nachfolgerin der erfolglosen Honda Varadero abhaken. Sollte man aber nicht. Weil in der japanische „Groß-Enduro“ das sehr clevere Doppelkupplungsgetriebe DCT und viel verschenktes Potential steckt. 

Bildschirmfoto_2012-05-23_um_1

Bitte, erspart mir den Sand!!!

Am Ende des Tages es ja so: Ein Vollsortiment-Anbieter wie Honda kann es sich nicht leisten, ohne ein Motorrad wie die neue Crosstourer da zu stehen. Als weltweiter Verkaufsprimus muss man schon aus Imagegründen in der Klasse der Großen Enduros präsent sein. 

Dieser Markt ist ein wachsendes, aber gleichzeitig schwieriges Terrain. Es wird seit mehr als einem Jahrzehnt von der BMW R 1200 GS dominiert; Jahr für Jahr verkaufen die Münchener allein in Deutschland davon über 6.000 Stück.

Honda würde für die Crosstourer, die das bisherige Modell Varadero ersetzt, liebend gerne auch eine vierstellige Verkaufszahl  melden; 1500 etwa wäre gut fürs Prestige und ein Riesenerfolg. Aber: Es sieht nicht danach aus.

Trend zum Dickschiff

Die Käufer aktueller Groß-Enduros haben mit echtem Geländesport – mit Schlamm und Sprunghügel - wenig am Hut. Sie sind die Brüder im Geiste der SUV-Besitzer, die beim Abstecher zum Spargelbauern entschlossen den Vierradantrieb zuschalten. Auch die Honda Crosstourer ist im Herzen ein Poser. 

Sie wird aus dem gleichen Plattform-Baukasten zusammengesetzt, aus dem sich die Honda-Ingenieure neuerdings bei vielen Modellen bedienen. Die Crosstourer hat den fetten V4-Motor des Sporttourers VFR 1200, das gedrungenen Design der kleineren Crossrunners und liegt so tief auf der Straße wie die neue NC 700-Familie. Das macht mit Blick auf die Fertigungskosten Sinn, aber Abkürzungen über Waldwege und Ausflüge in die Wallachei sind mit der Crosstourer tabu – die Plastikteile, der fehlende Unterschutz und die vergleichsweise kurzen Federwege flehen den Piloten an: „Bleib mir bitte auf dem sicheren Asphalt.“

Fun-Dampfer auf großer Fahrt

Dort allerdings macht die Crossrunner eine umso bessere Figur. Sie ist mit fast 280 Kilogramm voll getankt zwar eine ziemlich fette Fuhre, aber der auf 129 PS herunter geregelte Vierzylinder-Motor hat ein gewaltiges Drehmoment von 126 Newtonmeter und fühlt sich auf Landstraßen pudelwohl. Dort lässt der Antrieb mit 28 Grad Hubzapfenversatz, Big-Bang-Zündfolge und je einer oben liegenden Nockenwelle  seinen Sport-Charakter voll röhrend raushängen. 

Die nötigen Accessoirs wie Alu-Gußchassis, Kardanantrieb, Bremsen, Combined ABS, Traktionskontrolle: alles vom feinsten. Auch Autobahnfahrten und Ferienverschickung mit dem Autoreisezug – wofür Groß-Enduros heute in Wahrheit gekauft werden – mit der vollen Tourenausstattung Topcase, Koffern und Windschutz geht das formidabel.

Ein überzeugender Fun-Dampfer also. Doch die Konkurrenz unter den Zweirad-SUVs ist auch lustig zu fahren: Die BMW ist wendiger, hat mehr Boxer-Wumms und Geländesport-Gene; andere, wie die Triumph Explorer, bringen mehr Power und die besseren Allrounder-Eigenschaften mit. 

Und ein Schnäppchen ist die Crosstourer in der  konventionelle Sechsganggetriebe-Ausführung mit 13.845,00 Euro keineswegs.  

Exklusive Schaltautomatik

Ein richtig spannendes und einzigartiges Motorrad wird die Crosstourer allerdings, wenn man noch einmal 1.000 Euro draufpackt. Dafür gibt es das Doppelkupplungsgetriebe DCT, das Honda zur Zeit als einziger Hersteller anbietet. DCT ist kein stufenloses Automatikgetriebe wie in einem Roller, sondern ein automatisch geschaltetes Ganggetriebe ohne Kupplung. Honda schreibt: „Die erste Motorrad-Adaption eines Systems, das im PKW-Bereich bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird.“ 

Der automobilen Variante entspricht daher auch die Grundmechanik des Honda DCT: Zwei in einander greifende Teilgetriebe (eins für die Gänge 1, 3 und 5, das andere für die Stufen 2, 4 und 6) machen einen vollautomatischen Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung (sprich Kupplung) möglich. Die Zeit für einen Gangwechsel liegt im Millisekunden-Bereich. Die Tüftlern in Hondas Entwicklungsabteilung haben es auch hingekriegt, dass DCT extrem kompakt baut und jetzt unter zehn Kilogramm Mehrgewicht liegt.

2009 kam die erste DCT-Version im Tourer VFR 1200 auf den Markt, mit teilweise noch seltsamem Verhalten: Speziell bei langsamer Fahrt in engen Kurven rückte der erste Gang teilweise unvermittelt ein und aus. Situationen, die ein erfahrener Fahrer sonst mit leicht schleifender Kupplung regelt, wurden plötzlich kritisch. 

Die Systematik war auch unlogisch: Ob man im vollen Automatik-Modus oder im manuelle Betrieb war – schlüssig war das nicht immer. Überzeugte Knieschleifer und Schaltveteranen ätzten unisono, DCT sei der erste Schritt, aktives, sportliches Motorradfahren komplett abzuschaffen.

Sportliche Fahrt in die Zukunft

Mit der aktuellen DCT-Version in der Crosstourer hat Honda diese Kritik und die Kinderkrankheiten vollständig ausgeräumt, das zeigen schon die ersten Kilometer. 

Sowohl im D(rive)- als auch im S(port)-Modus schaltet die Elektronik jetzt sauber und präzise. Sie lernt dazu und berücksichtigt das Verhalten des Fahrers: Je mehr Gas man gibt, desto höher dreht in der Folge das System. Die wichtigste Verbesserung: Wenn der Automatik-Mode angewählt wird, bleibt er der Leit-Modus - auch wenn man gelegentlich mit den Kippschaltern am linken Griff eingreift und manuell schaltet.

Das hört sich zunächst nicht spektakulär an. Doch auf den verwinkelten Landstraßen im Spessart ist diese kleine Finesse von entscheidendem Wert: Wenn z.B. die Kurve überraschend immer enger wird, genügt ein kurzes Klick-Klick mit dem Daumen, und Bang-Bang ist runtergeschaltet: Die Motorbremse setzt sofort helfend ein. Dass nach dem Rausbeschleunigen aus der Kurve wieder hoch geschaltet wird – darum haben wir uns jetzt nicht mehr zu kümmern. Das übernimmt DCT, während wir Zeit für den Fahrspaß oder die Landschaft haben. 

DCT – das ist keineswegs die befürchtete Entschleunigung, sondern die Technik der Zukunft. Honda hat sie bisher exklusiv. 

Wenn die japanischen Strategen sich jetzt noch entschließen könnten, das Motorrad nicht als „Adventure Bike“ und „GS-Herausforderer“, sondern als sportlichen Spaß-Tourer zu vermarkten: Honda könnte  den Crosstourer sicher gut verkaufen.

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

18 Mai 2012

Ehemalige Mädels-Crew vom MOTORRAD wagt neues Magazin "ABENTEUER WEGE"

Es gab sie, die anderen Zeiten, bei der MOTORRAD: Da hatte Michael Pfeiffer, der einsame Ober-Chefredakteur und Mubarak des deutschen Zweiradjournalismus, noch ein Korrektiv an seiner Seite. Ein weibliches.

Monika Schulz hieß die stellvertretende Redaktionsleiterin, und man merkte dem Heft die weibliche Präsenz an. Aber dann musste Schulz im Mai 2009, als die Auflage massiv zurückging, zusammen mit einem Dutzend anderer Beschäftigten der Motor Presse Stuttgart die MOTORRAD-Redaktionsräume verlassen. Nach einem Bericht bei Kress traf es bei MOTORRAD vor allem das mittlere Redaktions-Management - beim damaligen Verkaufsführer am Kiosk sollte die zweite Hierarchie-Ebene komplett wegfallen, aus acht "Ressorts" drei "Einheiten" werden.

Jedenfalls wurde Monika Schulz zusammen mit Sylvia Lischer und Annette Johann geschasst - und die Mädels blieben lange in der Versenkung verschwunden.

Jetzt sind sie wieder da, zumindest Schulz und Johann:

Bildschirmfoto_2012-05-18_um_2

ABENTEUER WEGE - Das Magazin für Menschen in Bewegung soll 2012 noch zwei Mal und ab 2013 vier Mal am Kiosk liegen, und "die Verbindung
zwischen Outdoor-, Reise- und Hintergrundmagazin" schaffen.

"Der Name des Titels ist Programm. Unser verbindendes Thema sind Wege – das Element aller Reisen: ob über Land, auf dem Wasser, durch die Luft oder im Kopf. Wir folgen der verblichenen Mauerroute durch Berlin, einsamen Wanderpfaden in entsiedelten Tälern des Piemont, einer Postschifflinie entlang Norwegens Küste. Wir erforschen alte Handelsrouten, spüren Pionieren und Flüchtlingen voriger Jahrhunderte nach und den geheimnisvollen Strecken von Wildtieren."

Motorräder sollen - Na, Gott sei Dank, wie soll man Wege besser erforschen - in ABENTEUER WEGE auch vorkommen.

Das erste Heft liegt seit 8. Mai 2012 am Kiosk. Mehr dazu unter http://www.abenteuer-wege.de

Danke, Anonym, für den Tipp.

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

05 Mai 2012

Piaggio X10 350 Executive - der König des Durchstechens


Man kann mit dem Automobil sein Nervenkostüm ruinieren. Oder man fährt clever mit dem Roller in verstopfte Innenstädte. Piaggio hat seine neue Luxus-Baureihe X10 jetzt in Paris vorgestellt -  mitten im Getümmel.

Bildschirmfoto_2012-05-05_um_1

Auf der Pariser Avenue de Grande Armee kann man sie genau ausmachen: jene Verkehrsteilnehmer, die im Elend, und jene, die mit dem Hoffnungsträger des innerstädtischen Individualverkehrs unterwegs sind.

Die Magistrale, abgehend vom Place Charles de Gaulle, verfügt über sechs Fahrspuren, die ständig dicht befahren werden. In Stoßzeiten käme der Verkehr auf der Avenue de Grande Armee völlig zum Erliegen, wenn die Pariser Motorrad- und Rollerfahrer nicht acht zusätzliche Fahrspuren eröffnen würden: in Schleichfahrt rechts und links der PKWs, millimetergenau zwischen den stauenden Kolonnen, fahren sie an den Ampeln vor. Und den Automobilen bei zartem Grün augenblicklich davor.

Paris ist die Hauptstadt der Roller, die Dichte ist dort noch höher also in Rom; für den italienischen Hersteller Piaggio ist der französische der wichtigste Exportmarkt. Schlüssig also, dass Piaggio seine neue Luxus-Rollerlinie X10 rund um Louvre und Champs-Élysées vorstellt. Die neue „Grand Tourismo“-Reihe wird in drei Motorversionen angeboten. In Paris hat Piaggio zunächst den X10 125 (15 PS) und den X10 350 Executive (33 PS) aufgeboten; der 41 PS starke X10 500 soll ab Ende Mai produziert werden. 

Luxus für die Mittelklasse

Auf der Île Saint-Louis vor Notre Dame ist das tägliche Chaos bereits perfekt: Lieferwagen, Touristenbusse, Taxen, Limousinen. Die Geschwindigkeit tendiert gegen Null, während der Hup- und Lärmpegel auf Stresslevel oszilliert.

Das richtige Ambiente also, damit die in Frankreich allseits akzeptierten Vorteile eines Rollers richtig zum Tragen kommen: maximale Beweglichkeit beim Durchstechen durch jede noch so kleine Lücke, rasante Beschleunigung aus dem Stand, zügige Entfernung von schimpfenden Fußgängern dank Automatik-Kupplung und –Getriebe, genügend Wetterschutz bei Wind und kurzen Schauern und ein viel geringerer Verbrauch gegenüber Blechdosen.

Diese Scooter-Essentials bieten auch Fahrzeuge in der Preisklasse bis 2000 Euro, doch seit einigen Jahren geht der Trend bei den Käufern zum Luxus: elektronische Vollausstattung, ABS, quasi ein Wohnzimmer auf Rädern. Diese Maxi-Scooter über 600 Kubik, mit über 50 PS und Preisen jenseits 10.000 Euro haben inzwischen Yamaha, Suzuki, Kymco und bald auch BMW im Angebot.

Mit der X10-Palette geht Piaggio einen anderen Weg. Der 125er glänzt mit einem niedrigen Preis (4890,00 Euro); dafür nimmt man bei Fahrleistung und Ausstattung Abstriche in Kauf. Die 350er (6990,00 Euro) und 500er-Modelle (7790,00 Euro) kommen mit einem zu der Konkurrenz vergleichsweise schwachbrüstigen Einzylindermotor, aber dem vollen Executive-Luxuspaket. 

Frage: Sind ein zweiter Zylinder oder 20 PS  mehr Leistung einen Mehrpreis von 3.000 Euro wert? Piaggio sagt Nein. Im Stadtverkehr und den üblichen Tagesfahrten zählt der Komfort; und der ist bei allen X10-Rollern enorm. Der Windschutz ist selbst für große Fahrer bis 1,90 Meter völlig ausreichend. Beim 350er-Modell liegt der Radstand bei beachtlichen 1625 mm; die Sitzbank für zwei Passagiere misst gefühlte zwei Meter, ist bequem, aber nicht zu weich. Das Steißpolster für den Fahrer ist individuell einstellbar; die Sitzposition durch die endlos langen Fußablagen auch für den Sozius sehr variabel. 

Stauraum ist ab Werk genügend vorhanden, unter die Sitzbank passen zwei Jethelme, Regenanzüge und eine Laptop-Tasche. Wer mehr Raum braucht, kann sich beim Zubehör bedienen; ein Topcase und ein Packtaschensystem sind ebenso im Angebot wie die in Paris offenbar obligatorische Knieschutzdecke. Die verwundert nicht mehr, wenn man die hohe Zahl von Anzug-, Krawatten- und Maßschuhträgern unter den Scooteristen realisiert hat.

Der Piaggio-Schwung

Motorisiert hat Piaggio den X10 350 mit einem neuen, angeblich sehr effizienten Einzylinder-Viertakt-Motor, der mit einem Automatikgetriebe gekoppelt ist. Der Verbrauch soll unter vier Litern liegen; testen konnten wir das in Paris nicht wirklich. Motor und Getriebe sind in einem konventionelles Chassis mit 15 Zoll- (vorne) und 13 Zoll-Rädern (hinten) verbaut, das von einer Teleskop-Gabel und zwei Stoßdämpfern gefedert wird. Nur das 500er-Modell hat im Heck ein einzelnes, elektronisch einstellbares Federbein. Sehr schön ist das ABS, fraglich die Traktionskontrolle, die trotz Pariser Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen bei 33 PS wohl selten zum Einsatz kommt. Ein schönes Detail ist die mit dem Seitenständer gekoppelte Feststellbremse; das haben aber auch schon Andere. 

Wirklich anders als die Konkurrenz ist bei der X10-Palette nur das Design in den Farben Mercury Braun, Orion Grau, Midnight Blau und Cosmo Schwarz. Unabhängig von den Farben haben sich die Piaggio-Gestalter auf weiche Linien und massive, breite Hecks mit LED-Bändern festgelegt. Doch den ersten Eindruck schindet bei der Piaggio X10-Palette die Front. Das breite, geschwungene Lichtband aus hoch angesetzten Blinkern und Dreifach-Scheinwerfern vermittelt sofort: Ich bin ein großer, starker Roller – auch der 125er kommt so daher, er unterscheidet sich von den beiden Top-Modellen nur in der Motorisierung und elektronischen Add-ons.

Der Schwung setzt sich fort an den Seiten. Dort mäandern als Ausdruck der neuen Piaggio-Formensprache jetzt zwei Wellen entlang der Verkleidung; unterstützt wird die Bewegung durch ein metallisches Insert-Band, das die Verkleidungen beim Umfallen stützen soll. Ob das stimmt, wird sich zeigen, ob die neuen Linien beim Publikum ankommen, ebenfalls. Mann muss sie nicht lieben, die X10-Piaggios, aber Technik und Preis stimmen.

23 April 2012

11. Mai in Monaco: Über Hundert Ducatis kommen unter den Hammer

Am 11. Mai kommt in Monaco die größte private Ducati-Sammlung unter den Hammer; Carlo Saltarelli, Ducati-Testfahrer und Händler, hat in den vergangenen dreissig Jahren über Hundert Maschinen aus Borgo Panigale zusammengetragen - sie kommen nun alle auf einen Schlag zur Versteigerung.

Zusätzlich zur Saltarelli-Sammlung bringt Ducati selbst zwei Einzelstücke ins Angebot: die Desmosedici von Casey Stoner aus dem Jahr 2010 sowie eine MotoGP-Maschine von Valentino Rossi aus dem Jahr 2011.
10. Mai, Monaco: Ein Muss für Ducatisti mit dem nötigen Kleingeld ... Herr Piëch, übernehmen Sie!

PS: Allein der Katalog von RM Auctions zur Veranstaltung ist pure Ducati Porn. Siehe unter http://viewer.zmags.com/publication/ed52d7ab#/ed52d7ab/1

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

19 April 2012

Audi kauft Ducati : Ein kleines Geschenk zum 75ten Geburtstag

Am Dienstag dieser Woche feierte Ferdinand Piëch seinen 75ten Geburtstag. Sein schönstes Geschenk machte der VW-Patriach sich selbst: Seine Konzern-Tochter Audi kaufte pünktlich zum Fest die italienische Motorradschmiede Ducati.

Über den Verkauf der Motorradmarke Ducati an einen deutschen Automobilhersteller war seit Anfang des Jahres spekuliert worden; als mögliche Käufer wurden auch Daimler und BMW ins Gespräch gebracht. Seit Mittwoch Nachmittag ist die Tinte unter dem Vertrag nun trocken: Für rund 860 Millionen Euro hat die Volkswagen-Tochter Audi den Zweirad-Hersteller vom bisherigen Besitzer-Konsortium, unter Führung der italienischen Investindustrial, übernommen. Was will der Volkswagen-Konzern mit einem italienischen Motorradhersteller?

Rational oder gar volkswirtschaftlich ist die Übernahme der Firma, die im Bologneser Vorort Borgo Panigale Edelware für Premium-Kunden fertigt, nicht zu erklären. Auf die Zahlen von Audi oder gar die Gesamtbilanz der VW-Gruppe hat das Jahresergebnis der neuen zwölften Marke im Gruppen-Portfolio keinen signifikanten Einfluss.  

Rote Federn für das Ego

Ducati ist fazt ausschließlich eine Herzensangelegenheit des VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und ein weiterer Beweis für dessen langen Atem, wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat. Seit der Hobby-Motorradfahrer Piëch Mitte 1972 bei Audi als Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben anheuerte, hat es den Markensammler gewurmt, dass Audi seine Zweiradvergangenheit mit NSU und DKW nicht weiter verfolgt hat. Dass sein Lebenswerk ein unvollständiges Konglomerat ohne Zweirad-Sparte hat ihn besonders mit Blick nach München und BMW von jeher gewurmt.

Jetzt vierzig Jahre später, an der Spitze des Konzerns, erfüllt er sich seinen lang gehegten Wunsch: „Ein kleiner feiner Motorradhersteller würde gut zu uns passen“, sagte Piëch 2008 in einem Interview. Er trauere noch immer dem Jahr 1985 nach, als Ducati in Not war und man den Hersteller "für einen Apfel und ein Ei" hätte kriegen können. Piëch outete sich schon damals als Fan der Italo-Marke mit seinem persönlichen Favoriten, dem Superbike Ducati 1098 R: "180 PS - und mehr Leistung pro Kilogramm als ein Bugatti." 

Piëch ist ein knallharter Kaufmann, aber manche Entscheidungen trifft er aus dem Bauch heraus. Der Machtmensch konnte es schlichtweg nicht länger ertragen, dass seine Lieblingsmotorrad-Marke in den vergangenen drei Jahren mit dem „Feind“,  der Daimler-Tochter AMG, aufs Engste kooperierte.   

Altes Investoren-Karussell

Piëch und seine Tochter Audi sind nicht die ersten Geldgeber, der sich an Ducati versuchen. Seit Mitte der Achtziger Jahre wurde die Firma mehrfach weitergereicht; mit wechselndem Erfolg. "Mit den ersten Neubesitzern, den Castiglioni-Brüder, ging es bergab; Mitte der Neunziger waren wir völlig am Boden,“ erzählt der Museums-Kurator und Chronist der Marke, Livio Lodi. "Erst der Einstieg der TPG im Jahr 1996 hat uns gerettet." 

Die Amerikaner von der Texas Pacific Group (TPG) tauschten zügig das Management aus, führten japanische Fertigungseffizienz ein und krempelten die Produktlinie komplett um. Mit den Superbikes 996 und 1098, dem Reiseliner Multistrada und der neuen Monster wurde die Gewinnzone wieder erreicht, bevor im Jahr 2006 die InvestIndustrial übernahm. Die italienischen Investoren, die sich die Anteile mit dem Private Equity Fonds BS und einem kanadischen Pensionsfonds teilten, reduzierten weiter Fertigungskosten. Sie hielten die Premiummarke Ducati – im Gegensatz zu anderen Marken wie die Japaner - während der Branchenkrise 2009 in der Gewinnspur. 

InvestIndustrial-Chef Andrea Bonomi und sein Statthalter Claudio Domenicali bauten Fertigungen in Brasilien und Thailand und erweiterten die Modellpalette: Vor zwei Jahren wurde mit der Diavel der Muscle-Bike-Markt erobert; Ende Januar wurde in Abu Dhabi das neue Superbike, die 1199 Panigale, gelauncht.    

Für die billigste Ducati Monster 696 werden in Deutschland 8790 Euro, für das Spitzenmodell 1199 Panigale S Tricolore mindestens 28.690 Euro fällig. Ducati hat im Jahr 2011 etwa 42.000 Motorräder weltweit verkauft und damit einen operativen Gewinn von rund 110 Mio. Euro erwirtschaftet: eine stattliche Rendite von rund 20 Prozent, die kein Automobilhersteller erreicht, und ideale Voraussetzung also, um Ducati anzubieten. 

Denn verkaufen mussten die Italiener: Auf Dauer kann keine Motorradfirma in der Größe von Ducati ohne Wachstum überleben; Status quo ist Rückschritt. Doch eitere internationale Märkte, einen größeren Anteil am Gesamtmarkt, hohe Investitionen in eine breitere Modell-Palette – das geht nur mit einem potenten neuen Investor, für den 860 Mio. Euro kein Problem sind. Wie Audi.

Kritik an der Übernahme kam schon vor der Vertragsunterzeichnung. Die Schuldenlast in Bologna sei zu hoch; das Image beschädigt. Das sei keine Ehe, die funktionieren könne. Das Handelsblatt schreibt: „„Dann lasst sie doch bitte lieber in Schönheit sterben.“

Synergieeffekte für Beide, Sicherheit für Ducati

Mitnichten. Offensichtlich hat die Durchleuchtung der Firmenbücher durch die Wirtschaftsprüfer in den vergangene Wochen ergeben, dass Ducatis eigentlich Kredit- und Schuldenlast unter 200 Mio. Euro liegt – eine überschaubare Summe bei einem 2011er Gewinn von rund 110 Mio Euro. 

Und auch die Kritik an der aufwendigen Rennsport-Abteilung Ducati Corse zieht nicht. Das exorbitante Jahrengehalt von angeblich 12 Mio. Euro des Spitzenfahrers Valentino Rossi bringen Sponsoren mit, die wegen ihm auf den Zug gesprungen sind.  Dass er zur Zeit frustriert hinterher fährt, zählt nicht: Das gern zitierte Klischee „Win on sunday, sell on monday“ gilt schon lange nicht mehr und Ducati-Liebhaber sind quasi immunisiert gegen kurzfristige Niederlagen.

Auch sind die technischen Welten, die mit Ingolstadt und Bologna aufeinander prallen, so verschieden nicht. Im Gegenteil; ein interessanter technischer Austausch ist garantiert. Sowohl bei Audi als auch in der Entwicklungsabteilung von Ducati dreht es sich um automobile Themen der Zukunft: möglichst effiziente Hochleistungsmotoren, optimale Ausnutzung von begrenztem  Hubraum, maximalem Leichtbau durch den Einsatz von neuen Werkstoffen wie Karbon. Gerade in der Werkstoffentwicklung hat VW/Audi gegenüber der Konkurrenz in München aufzuholen und mit Ducati einen guten Partner, der tief im technologischen Kernland Italiens in der Po-Ebene verwurzelt ist.

Auch bringen die Ingenieure der VW-Gruppe spezielles Motorrad- und Ducati-Knowhow mit. Der V-Rod-Revolution Motor, der 2001 von Harley-Davidson auf den Markt gebracht wurde, entstand am Bildschirm der Porsche-Motorenentwickler in Zuffenhausen. Und Ingolstadt selbst hat schon seit längerem einen direkten Draht in die Motorrad-Fertigung bei Ducati: Der Audi-Mann Thomas Mehringer arbeitete u.a. bei Lamborghini, bevor er von Beginn 2008 bis Dezember 2011 oberster Qualitätsprüfer bei den „Roten“ in Bologna wurde.

Der Kauf von Ducati hat übrigens auch Auswirkungen auf Mercedes. Die Daimler-Tochter Mercedes AMG kooperiert seit Ende 2010 mit dem Motorradhersteller. So stattet das Autounternehmen den MotoGP-Rennstall von Ducati mit Mercedes-Fahrzeugen aus; keine duc-Präsentation kam ohne AMG-Präsenz über die Bühne. Nach der Übernahme durch Audi ist damit jetzt Schluss. Mercedes werde die Zusammenarbeit mit Ducati mit sofortiger Wirkung beenden, sobald der Verkauf an Audi abgeschlossen ist, sagte ein Daimler-Sprecher am Donnerstag in Stuttgart.

Posted via email from moto1203 - daily roadkill

Audi-Ducati-Deal: Die Tinte ist trocken.

14 Februar 2012

Over and out ....

So, moto1203 meldet sich jetzt mal für geraume Zeit ab - zum jährlichen Datenentzug und traditionellen Twitter-Facebook-Fasten in einem Funkloch in einer wlan-losen Gegend.